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Software- und Suchmaschinenexperte Florian Hopf aus Singapur im Interview

“Die Nutzung von Suchmaschinen macht mir Spaß…”
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Wer bist Du und was machst Du?

Ich bin Florian Hopf, 38, und arbeite als Software-Entwickler bei Zenika in Singapur. Ich habe Informatik an der FH Karlsruhe studiert, engagiere mich gerne bei Communities und interessiere mich unter anderem für die Implementierung von suchbasierten Systemen.

Das ist ja spannend in Singapur zu leben und zu arbeiten. Wie kam es dazu und fiel dir der Entschluss schwer?

Meine Frau und ich haben irgendwann entschieden, dass wir lange genug in Karlsruhe gelebt haben und dass uns Veränderung gut tun würde. Sie ist ursprünglich aus Indonesien und deshalb schon mit der Region vertraut, aber auch mir hat es im Urlaub immer sehr gut in Singapur gefallen. Endgültig vorstellen konnte ich es mir dann bei einem längeren Besuch im Februar 2016 und wir haben uns entschieden hier zu leben, erstmal für mindestens ein Jahr. Mitte 2016 habe ich mich dann remote auf Jobsuche gemacht und hatte im November vor Ort ein Interview bei Zenika, mit denen alles gepasst hat. Der Kontakt kam über die Java User Group zustande, bei der ich einen Vortrag eingereicht hatte, den ich nutzen wollte, um lokale Firmen auf mich aufmerksam zu machen. Parallel zur Jobsuche haben wir unsere Wohnung in Deutschland aufgelöst und ich habe meine freiberufliche Tätigkeit ausklingen lassen. Seit Februar 2017 sind wir schließlich hier, also genau ein Jahr nachdem der Entschluss gefallen ist. Am Anfang hatte ich schon meine Bedenken, ob ich mit allem zurecht komme, man gewöhnt sich aber sehr gut ein.

Ich werde oft gefragt, ob ich aus beruflichen Gründen nach Singapur gegangen bin, eigentlich ist es aber andersrum. Wir haben uns Singapur als Lebensmittelpunkt ausgesucht und erst danach habe ich nach einem Job hier gesucht. Mit einem Schwerpunkt in der IT ist man momentan zum Glück auch hier gesucht.

Ich war selbst letztes Jahr mit meiner Familie eine Woche in Singapur im Urlaub. Besonders in Erinnerung blieben mir die Hitze, die Sauberkeit der Stadt und der Tagestrip mit den Kids ins Freizeitgebiet Sentosa. Was waren bisher Deine Highlights? Und was vermisst Du an Deutschland?

An das Klima muss man sich wirklich erstmal gewöhnen, draußen sehr heiß und in den Gebäuden und öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Klimaanlagen sehr kalt.

Mir gefällt vor allem die Vielfalt der Kulturen, die es so wohl an wenigen Orten gibt. Die chinesisch-, malayisch- und indischstämmige Bevölkerung bringt jeweils unterschiedliche Lebensweisen ein, das Zusammenleben gestaltet sich aber trotzdem sehr harmonisch. Und da jede Kultur ihre Küche mit einbringt, gibt es auch hier eine riesige Vielfalt.

Da das Land sehr westlich eingestellt ist und der Alltag sich sehr bequem gestaltet, fällt auch einem Europäer das Leben hier leicht. Ich höre oft, dass es nach ein paar Jahren leben hier langweilig wird, weil die Insel relativ klein ist. Man kann jedoch auch sehr einfach viele andere Ziele in der Region erreichen. So ist es recht üblich, dass die Leute hier übers Wochenende nach Indonesien, Malaysia oder Thailand verreisen.

Auf Dauer werde ich sicher die Möglichkeit vermissen, auf unterschiedliche Konzerte zu gehen. Und das deutsche Bier wird mir auch fehlen — es gibt zwar mehrere deutsche Restaurants in Singapur, die Steuern machen es allerdings recht teuer.

Etwas gewöhnungsbedürftig sind die vielen Verbote und die allgegenwärtige Videoüberwachung. Teilweise hat man das Gefühl, dass sehr stark Ängste, unter anderem vor Terroranschlägen, geschürt werden, was sicher zu Misstrauen in der Bevölkerung führen kann.

Du bist als Experte für suchbasierte Lösungen bekannt, hast u.a. ein Buch über Elasticsearch (bei Amazon) geschrieben und zahlreiche Vorträge gehalten. Wie bist Du zu diesem Schwerpunktthema gekommen und was reizt dich immer noch daran?

Ich hatte schon bei meinem ersten echten Vollzeitprojekt 2005 mit Lucene zu tun. Bei meinem damaligen Arbeitgeber synyx habe ich mich dann stark mit Content Management Systemen auf der Java Plattform beschäftigt, da ist die Suche natürlich immer wichtig. Und als ich mich 2012 selbstständig gemacht habe, war es dann recht natürlich das als Schwerpunktthema zu wählen.

Die Nutzung von Suchmaschinen macht mir Spaß, da unterschiedliche Bereiche abgedeckt werden. Algorithmen auf der einen Seite, natürliche Sprache mit ihren Besonderheiten auf der anderen Seite. Und Elasticsearch gefällt mir besonders gut, weil dabei auch noch verstärkt Anwendungsfälle abseits der Suche dazugekommen sind. Beispielsweise als Datenspeicher für zentralisiertes Logging oder für Analytics-Lösungen.

Was liebst Du an Deinem jetzigen Job bei Zenika und gibt es Dinge, die Du gerne ändern würdest?

Es ist in einigen Bereichen sehr angenehm wieder bei einem Unternehmen zu arbeiten. Man muss sich um weniger kümmern, als in der Selbstständigkeit. Zenika hat in Frankreich mehrere hundert Angestellte und ein sehr breites Trainingsportfolio. Es ist besonders interessant, diesen Bereich intensiver kennenzulernen, dabei kann ich sicher auch noch einiges lernen. In Singapur sind wir momentan weniger als 10 Angestellte, deshalb ist hier vieles noch nicht vorab festgelegt und man kann sich in die Unternehmens-Entwicklung einbringen. Ich bin sehr froh, dass Wert darauf gelegt wird, dass die Work-Life-Balance stimmt. Ansonsten kann man hier schnell in Unternehmen landen, in denen Arbeitstage mit 10–12 Stunden die Regel sind.

Momentan besteht der Großteil unserer Kunden aus großen Banken — persönlich würde ich mich freuen, wenn sich dies auf Dauer ändert. Auch wenn meine Projekte bis jetzt nicht schlecht waren, die Mühlen mahlen in solchen Organisationen sehr langsam. Und ich bin auch kein Freund davon, durch Kunden gezwungen zu sein, mich formal zu kleiden. Ich glaube nicht, dass Unternehmen sich damit einen Gefallen tun.

Wie sieht Dein typischer Arbeitsalltag aus?

Ich stehe zwischen 6 und 7 auf, da ist es noch dunkel draußen. Vor der Arbeit gehe ich oft noch ins Fitnessstudio unserer Wohnanlage, danach ist etwas Zeit für Sonstiges, wie dieses Interview, bevor ich dann gegen 8, halb 9 aus dem Haus gehe. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind hier super, aber zu den Stoßzeiten oft überlastet. Deshalb heißt es, sich mit vielen, vielen anderen in die U-Bahn oder den Bus zu drängen. Frühstück gibt es meist in einem der zahlreichen Foodcourts, die es wirklich überall in der Stadt gibt.

Ich bin entweder bei meinem Langzeitprojekt als Entwickler, mache spezialisierte Beratung, meist zu Elasticsearch oder gebe ein Training. Mittags geht es ebenfalls in einen Foodcourt, meist mit Kollegen. Gegen 18:30 ist für mich Feierabend — man merkt jedoch, dass viele Leute hier deutlich länger arbeiten. Den Abend verbringe ich dann mit meiner Frau. Oft fahren wir beispielsweise einfach in eine Gegend, die wir noch nicht kennen.

Gönnst Du uns einen Einblick in Deinen aktuellen Arbeitsplatz?

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Arbeitsplatz von Florian Hopf in Singapur

Was machst Du, um dich weiterzubilden und wie motivierst Du dich?

User Groups sind immer ein guter Weg, um unterschiedliche Themen kennenzulernen und sich mit Leuten auszutauschen. Um sich intensiv mit einem Thema zu befassen, kann es auch sinnvoll sein, regelmäßig darüber zu schreiben, beispielsweise in Blogposts.

Wen bewunderst Du in Deiner Branche bzw. hast Du ein Vorbild?

Ein direktes Vorbild gibt es nicht. Mein ehemaliger synyx-Kollege Oliver Gierke, der mittlerweile als Project Lead für das Spring Data Team arbeitet, hatte aber vermutlich ziemlichen Einfluss auf meine Karriere. Ohne ihn hätte ich eventuell nicht mit Blogposts und Vorträgen angefangen.

Über welche Stichworte würden dich Leute auf https://www.jobpushy.de finden und ggf. beauftragen können?

Elasticsearch, Solr, Java

Sechs Quickies

iPhone oder Android-Phone?
Android

Windows, iOS oder Linux?
Linux

Eclipse oder IntelliJ?
IntelliJ

Deine liebste Programmiersprache?
Java

Welchem Software-Tool/Framework würdest Du einen Preis verleihen?
Mockito

Bestes Fach-Buch der letzten 12 Monate?
Relevant Search (bei Amazon)




Was machst Du in Deinem anderen Leben? Was tust Du für Deine Work-Life-Balance?

Momentan stehen natürlich Ausflüge in Singapur und in der Region im Mittelpunkt. Ansonsten lese ich gerne, sowohl Fachbücher, als auch Sonstiges.

Wo kann man dir im Netz folgen? Wie kann man dich am besten kontaktieren?

Ich veröffentliche immer mal wieder Artikel auf meinem Blog unter http://blog.florian-hopf.de. Außerdem bin ich als @fhopf auf Twitter unterwegs.

Vielen Dank für das Gespräch!

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