IT-Jobs, die dich glücklich machen

Autor und Softwarearchitekt Eberhard Wolff über seine Berufung

“Ehrlich gesagt hatte ich nie ein echtes langfristiges Ziel”
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Wer bist Du und was machst Du?

Mein Name ist Eberhard Wolff. Ich arbeite als Fellow für innoQ in Berlin. innoQ macht Software-Projekte, Beratungen und Trainings. Mein Fokus liegt auf Architektur, Beratung und Trainings — und ab und zu arbeite ich auch in Projekten. Darüber hinaus schreibe ich Artikel und Bücher. Außerdem bin ich öfter als Sprecher bei Konferenzen oder User Groups aktiv und gestalte Konferenzen als Teil des Programmkomitees mit.

Wie ist die zeitliche Aufteilung zwischen Deinem breiten Aufgabenspektrum der Architektur-Beratung, aktiver Programmierung, Vorträgen und dem Schreiben von Fachartikeln und Büchern?

Das variiert sehr stark. In den letzten Jahren gab es Phasen, in denen ich sehr viel in einem Projekt unterwegs war oder an einem Buch geschrieben habe. Das wechselt sich mit Phasen ab, bei denen ich Trainings und Consulting mache. Das sind dann meistens nur ein oder einige wenige Tage bei einem Kunden. Dazu kommen dann noch Vorträge. Die Phasen mit vielen kleinen Projekten sind meistens durch viel Reisen gekennzeichnet — ich hatte aber auch eine Phase, bei der ich ein größeres Projekt in Berlin über längere Zeit betreut habe.

Als Consultant und Autor von Fachbüchern sowie hunderten von Vorträgen und Artikeln, bist Du zu einem der bekanntesten deutschen Experten für moderne IT-Architektur geworden. War das schon frühzeitig Dein berufliches Ziel?

Nein, und ich hätte es auch vermessen gefunden. Ehrlich gesagt hatte ich nie ein echtes langfristiges Ziel. Üblicherweise mache ich das, was ich gerade interessant finde. Irgendwann ergibt sich dann der nächste Schritt. Und das ändert sich auch mit der Zeit. Konkretes Beispiel: Ich habe vor zehn Jahren bei SpringSource angefangen und hatte zumindest am Anfang die Verantwortung für das Geschäft in Deutschland. Damals fand ich, dass das eine spannende Herausforderung ist. In meiner aktuellen Position bei innoQ habe ich absichtlich keine geschäftliche Verantwortung. Das war sogar ein Grund, warum ich zu innoQ gegangen bin. Die Erfahrung bei SpringSource fand ich damals interessant, im Moment interessieren mich andere Dinge mehr.

Was liebst Du an Deinem jetzigen Job und worauf könntest Du verzichten?

innoQ ist eine ausgesprochen interessante Firma. Es gibt eine Menge sehr kompetenter Kollegen aus sehr unterschiedlichen Bereichen. Zu praktisch jeder Technologie — sei es Spring, Java, JavaScript, Angular … — gibt es Experten, Befürworter und Kritiker. Das ist kombiniert mit einem hohen Maß an Eigenverantwortung und Selbstorganisation. Jeder kann bei Amazon bestellen, was er braucht. Es ist jederzeit möglich, einen Workshop zu einem Thema zu organisieren und sich mit einigen Kollegen auszutauschen. Jeder kann vom Büro oder von zu Hause aus arbeiten, wie es gerade passt. Und sechsmal im Jahr kommt die gesamt Firma für jeweils mindestens zwei Tage zum Erfahrungsaustausch zusammen. Es gibt zwar Umsatzziele für jeden einzelnen Mitarbeiter, die sind aber nicht sehr aggressiv, damit die Freiheiten auch genutzt werden können. Ein Artikel auf der innoQ-Website erklärt das ganz gut: https://www.innoq.com/de/articles/2016/10/innoq-organisationsmodell/

So viel Eigenverantwortung hat natürlich nicht nur Vorteile. Ich buche meine Hotels und Reisen selber — wenn etwas nicht passt, kann ich also nur mir selber Vorwürfe machen…

Mit welchen Stichworten würdest Du Dein perfektes Jobprofil beschreiben? Anders gefragt: Welche Wünsche hast Du auf https://www.jobpushy.de eingegeben?

Architektur, Microservice, Spring, Java, Continuous Delivery, Senior …

Du warst für knapp zwei Jahre als selbständiger Freiberufler unterwegs. Nun seit einiger Zeit wieder im Rahmen einer Consulting-Firma. Welche Vorteile siehst Du in der Selbständigkeit? Warum bevorzugst Du die Arbeit unter dem Dach einer Company, wie InnoQ?

Ich bin bisher überwiegend als Angestellter beschäftigt gewesen. Ich finde es gut, zu einer Gruppe zu gehören und mich auf bestimmte Aspekte der Arbeit konzentrieren zu können. Viele interessante Aufgaben, die ich bisher in meinem Berufsleben hatte, wären als Selbstständiger kaum möglich gewesen. Aktuell ist das beispielsweise der Austausch mit den Kollegen oder der Fokus auf die inhaltliche Arbeit.

Die Motivation für meine letzte Freiberuflertätigkeit war es, nach einem Job mit mehr Management wieder etwas mehr praktisch zu arbeiten. Die freiberufliche Tätigkeit ist finanziell attraktiver, aber mit einem höheren Risiko verbunden.

Insgesamt bin ich eher der Angestellten-Typ. Ich denke, dass es da persönliche Präferenzen gibt, die bei jedem anders sind. Insbesondere würde ich nicht generell jemandem einfach so zu dem einen oder dem anderen raten.

Inhaltlich konzentrierst Du dich meist auf moderne Softwaretechnologien, die voll im Trend liegen. Lange Zeit warst Du der “Spring Framework Experte”. Mittlerweile bist Du der “Microservice Gott”. Ergeben sich Deine Themen aus dem Consulting oder steuerst Du diese bewusst an?

Ich verfolge keinen langfristigen strategischen Plan. Neue Dinge reizen mich generell. Ich brauche Abwechslung, um mich nicht zu langweilen. Ich fand Spring sehr spannend, und später dann Continuous Delivery und Microservices. Deswegen habe ich mich mit diesen Themen intensiv beschäftigt und mir dazu Projekte gesucht. Ich habe sogar jeweils ein Buch zu diesen Themen geschrieben. Einige Themen haben dann erst später abgehoben. Bei Continuous Delivery hingegen ist mein Buch erst Jahre nach dem ersten Buch zum Thema erschienen, und das Thema war schon sehr im Fokus. Ich fand es dennoch spannend genug, um mich intensiv damit zu beschäftigen.

Meistens ergeben sich die Themen durch die Arbeit in Projekten, Beratungen oder Trainings. Mit einem Buch kann man sie dann einmal übergreifend strukturieren und darstellen. So lerne ich ständig hinzu — und das Lernen finde ich eine der interessanten Aufgaben in unserer Branche.

Was wird der nächste große Architekturtrend? Gibt es ein Thema außerhalb der großen “Microservices Welt”, welches Du dir aktuell genauer anschaust?

Durch die Microservices geraten viele Klassiker bei der Architektur wieder in den Fokus. Am Ende sind Microservices auch nur Module. Also geht es um den fachlichen Schnitt von Modulen durch Domain-driven Design oder Themen wie “Was dürfen Module voneinander wissen?” — Dürfen sie beispielsweise eine gemeinsame Datenbank haben? Diese Diskussion finde ich sehr gut, weil so fundamentale Fragen in den Fokus der Diskussion kommen. Das bietet die Chance, Architekturen deutlich und nachhaltig zu verbessern — weit jenseits des Microservices-Hype. Wichtiger als Hypes finde ich es, wenn Architekten selber fundierte Entscheidungen treffen.

Welche Tipps hast Du für einen jungen Softwareentwickler, der in dir ein Vorbild sieht und ebenfalls ein anerkannter Softwarearchitekt werden möchte?

Erstmal wäre für mich die Frage, ob das überhaupt ein sinnvolles Ziel ist. Viele meiner Kollegen haben viel mehr Spaß daran, zu programmieren, Technologien detailliert zu verstehen und auf diese Weise komplexe Probleme zu lösen. Ich fand neben Technologie auch Architektur und die Vermittlung von Wissen immer sehr interessant.

Möglichkeiten, um sich einen Namen zu machen, gibt es genug — Vorträge bei Konferenzen, internen Events oder User Groups sind ein möglicher Einstieg. Dasselbe gilt für Artikel oder Blogs.

Was mir auffällt: Ich habe das Gefühl, Leute schrecken davor zurück, Sprecher auf Konferenzen oder bei anderen Gelegenheiten anzusprechen und beispielsweise genau solche Fragen zu stellen. Sprecher machen genau deswegen Vorträge, weil sie gerne reden — und das kann man ausnutzen…

Folgt man dir auf Twitter, hat man das Gefühl Du bist ständig im Einsatz und viel auf Reisen. Wie sieht Dein typischer Arbeitsalltag aus?

Den gibt es eigentlich nicht. Wenn ich beim Kunden bin oder ein Training halte, geht es meistens um 9:00 los. Ich achte darauf, dass die Hotels in der Nähe des Kunden sind, so dass ich nur einige Minuten zu Fuß zum Kunden gehen muss. Schluss ist dann meistens um 17:00. Danach kümmere ich mich dann oft noch um EMails oder andere Themen oder reise weiter.

Wenn ich nicht beim Kunden bin, arbeite ich oft von zu Hause aus oder im innoQ-Büro in Berlin. Wie gesagt, gibt es bei innoQ nicht viele feste Regeln, so dass ich mir das eigentlich beliebig einteilen und unterschiedlich organisieren kann.

Gönnst Du uns einen Einblick in Deinen aktuellen Arbeitsplatz?

Im Moment sitze ich vor meinem MacBook mit Thunderbolt-Display zu Hause. Bei innoQ in Berlin gibt es sogar einen 4k-Bildschirm und ein geräumiges Office. Sonst verbringe ich viel Zeit in Meeting-Räumen…

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Homeoffice Eberhard Wolff

Wen bewunderst Du in Deiner Branche bzw. hast Du ein Vorbild?

Ich finde Steve Jobs sehr beeindruckend und halte insbesondere seine Zeit bei NeXT für sehr interessant, aber auch die Rückkehr zu Apple. Ansonsten gibt es in unserer Branche sehr viele beeindruckende Charaktere, so dass es schwer ist, jemanden spezielles herauszupicken.

Ich finde einen Persönlichkeitskult aber eher schwierig. Wenn etwas als Wahrheit angesehen wird, nur weil eine bestimmte Person es sagt, verhindert das oft, dass die wirklich beste Option gewählt wird. Also bin ich da eher vorsichtig.

Sechs Quickies

iPhone oder Android-Phone?
Android-Phone und iPad

Windows, iOS oder Linux?
Mac OS X

Eclipse oder IntelliJ?
Spring Tool Suite — also Eclipse

Bestes Buch 2016?
“How Google Works” von Eric Schmidt

Bestes Software-Framework 2016?
Wichtiger als eine Mode finde ich es, die Probleme im jeweiligen Projekt zu lösen.

Ostern oder Weihnachten?
Weihnachten

Welche Ziele verfolgst Du in Deinem Job? Hast Du eine Vision? Wo siehst Du dich in 10 Jahren?

Ich möchte mich interessanten Herausforderungen stellen. Im Moment ist dafür alles so gut, wie es ist. Wie es in 10 Jahren aussieht, kann ich jetzt nicht sagen. Und wenn ich 10 Jahre zurückblicke, hätte ich den jetzigen Job und die jetzigen Interessen kaum vorhersagen können.

Wo kann man dir im Netz folgen? Wie kann man dich am besten kontaktieren?

Twitter ist sicher eine gute Möglichkeit, dort bin ich @ewolff . Jeder kann mir auf Twitter auch Direct Messages schicken, also kann man dort auch privat in Kontakt treten. Viele weitere Informationen finden sich auf meiner Homepage http://ewolff.com . Auf den meisten Portalen wie XING oder LinkedIn bin ich ebenfalls vertreten. Nur bei Facebook bin ich nicht.

{Anmerkung der Redaktion: Sämtliche Bücher von Eberhard Wolff findet ihr auf Amazon: www.amazon.de/Eberhard-Wolff }

Vielen Dank für das Gespräch!

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